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Hohenloher Kultursommer 2019

Aktuelles

"Spannende Klangmöglichkeiten" - von Nina Piorr, 26.06.2019, Hohenloher Zeitung

SCHÖNTAL „Musik ist die höhere Potenz der Poesie“, notierte Robert Schumann 1828 in sein Tagebuch. Sein Zeitgenosse Frédéric Chopin hat diese Aussage mit seiner gefühlvollen Klaviermusik nicht nur bewahrheitet, sondern auch perfektioniert. Nicht umsonst gilt der polnische Komponist der Romantik auch als Dichter am Klavier. Zugleich hat er sich als Erneuerer der Klaviermusik hervorgetan: Die Etüden verwandelte er von Übungs- in Konzertstücke. Dies stellt Wolfgang Manz mit meisterhafter Brillanz beim Kultursommer unter Beweis.
Pariser Exil Unter dem Motto „Chopins Etüden – Gedichte fürs Klavier“ verzaubert der vielfach preisgekrönte Pianist sein Publikum in Kloster Schöntal mit Chopins „Douze Grandes Études op. 10“ sowie den „Douze Études op. 25“. „Die Chopin-Etüden stellen für alle Pianisten einen Meilenstein dar“, konstatiert Manz in seiner Moderation. Aufgrund seiner Unzufriedenheit mit den zeitgenössischen Studienwerken erforschte Chopin selbst sämtliche Klangmöglichkeiten der Klaviertastatur. Zwischen 1829 und 1837 entstanden seine Etüden in seinem Pariser Exil, die ihm zugleich als Lehrbeispiel seiner Pariser Privatschüler dienten. Sie verbinden spieltechnisches Raffinement mit klanglicher Ausdrucksstärke.
Dies beeinhaltet etwa die perlenden Arpeggien, die Manz in der ersten C-Dur-Etüde op. 10 über die ganze Klaviatur fließen lässt. Im Gegenzug verbreitet die Etüde in E-Dur eine ruhige Atmosphäre. Zwar brechen die Sextakkorde im Mittelteil in sanfter Expressivität hervor. Doch findet der dissonante Forte-Teil zurück zur kantablen Ausgangslage. „Es ist fast zu schade, dieses Stück als Etüde abzustempeln“, schmunzelt Manz.
In der in medias res einsetzenden cis-Moll-Etüde beeindruckt der Pianist mit einer filigran-virtuosen Bewegtheit, die er mit hammergleichen Stakkato-Akkorden akzentuiert. In einem nicht minder atemberaubenden Tempo oszilliert Manz in der auch als Schwarze Tasten-Etüde bekannten fünften Etüde zwischen expressiven und lyrischen Passagen. Die es-Moll-Etüde steht hingegen im Zeichen einer geheimnisvollen Düsterkeit, die sich zum Ende einem Hoffnungsschimmer öffnet. Die tiefe Leidenschaftlichkeit der op. 10 abschließenden „Revolutionsetüde“, mit der Chopin auf die Unterwerfung Polens durch Russland reagierte, erweckt Manz auf ausdrucksstarke Weise zum Leben. Ebenso große Gefühle finden sich in den „Douze Études op. 25“.
Während die rhythmische Studie der zweiten Etüde bewegt und verträumt in sich ruhend zugleich erscheint, wartet die von Pianisten gefürchtete Terzenetüde mit eingängigen Terzläufen auf. Für seine exzellente Interpretation, die zwischen den Etüden ein wenig mehr Pausen hätte vertragen können, erntet der Musikprofessor Ovationen.