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Hohenloher Kultursommer 2019

Aktuelles

"Virtuose Zehenfertigkeit" - von Annika Völk, Hohenloher Zeitung, 17.9.19 (und Hohenloher Tagblatt)

LANGENBURG Wenn die Pausengespräche bei einem Konzert sich überwiegend um die Fähigkeiten der Füße drehen, anstatt um musikalische Fragen, ist einer der Musiker auf der Bühne wohl Felix Klieser. Ohne Arme geboren, beeindruckt der 24-jährige Hornist zunächst damit, dass er sein Instrument mit den Füßen bedient und verblüffend präzise und grazil mit seinen Zehen agiert. Vor rund 240 Zuhörern, die zum Konzert des Hohenloher Kultursommers in den Barocksaal des Schlosses Langenburg gekommen sind, präsentiert Klieser romantische Träumereien, begleitet von Christof Keymer am Klavier.
Grifftechnik „Ach schön, Schumann“, sagt jemand aus dem Publikum, während des Anfangsmotivs des Adagio und Allegro (op. 70). Nun steht die Musik im Vordergrund und Klieser zeigt, dass es nicht nur seine außergewöhnliche Grifftechnik ist, die Bewunderung verdient. Nach kleinen Schwierigkeiten im langsamen Satz spielt der Hornist den zweiten der Spielanweisung gemäß „rasch und feurig“, aber dennoch gelöst und entspannt.
Es folgt die „Villanelle für Horn“ von Paul Dukas, der ansonsten in erster Linie für seinen „Zauberlehrling“ bekannt ist. Hier zaubert Klieser musikalisch: Mit Charme spielt er sich im besten Wortsinne leichtfüßig durch expressive Melodiebögen und brillante Passagen. Er beeindruckt auch hier mit Technik, als bei den echoartigen Stellen eine Vorrichtung zum Einsatz kam, die es ihm ermöglicht, das Horn zu stopfen, was Hornisten ansonsten mit der rechten Hand erledigen.
Anekdote Ein Höhepunkt des Abends ist die Hornsonate F-Dur (op. 17) von Ludwig van Beethoven, die von Klieser mit der Anekdote anmoderiert wird, der Komponist habe die Arbeit daran so lange aufgeschoben, dass sie bei der Uraufführung durch ihn selbst und den seinerzeit deutlich berühmteren Hornisten Giovanni Punto gewissermaßen improvisiert werden musste. Besonders im zweiten Satz meint man zu hören, wie Pianist und Hornist sich die musikalischen Bälle zuwerfen, als dächten sie sich gerade Phrasen aus.
Die vier langsamen Sätze aus den „11 Pièces“ (op. 35) von Reinhold Glière interpretiert Felix Klieser ruhig und melancholisch. Ein warmer Klang. Keymer begleitet ausdrucksstark. Mit Fanfarenklängen und perlenden Klavierläufen – der prasselnde Regen draußen ist eine nahezu perfekte Illustration dazu –, beginnt die Hornsonate in Es-Dur (op. 178) von Josef Gabriel Rheinberger. Hier zeigt das sympathische Duo noch einmal virtuose Spielfreude. Das Publikum bedankt sich mit lange anhaltendem Applaus und bekommt eine lyrische und gefühlvoll vorgetragene Romanze von Camille Saint-Saëns als Zugabe.