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Hohenloher Kultursommer 2018

Aktuelles

Was uns die Mandoline erzählt - von Leonore Welzin, 24.09.2018, Heilbronner Stimme

KÜNZELSAU
Bach, de Falla und von Dittersdorf sind Komponisten, die man kennt. Aber
wer hat je von Sulchan Zinzadse oder Avnar Dorman gehört? Die Mandoline
macht’s möglich. Das fulminante Mandolinen-Spiel des Israelis Avi
Avital hat nicht nur der kleinen Schwester der Laute zu neuem Ruhm
verholfen, Avital rückt unbekannte Tonsetzer wie Zinzadse (1925-1991)
ins Rampenlicht, inspiriert Zeitgenossen wie Dorman (1975), der ihm 2006
ein Werk auf den Leib schneidert.

In Hochform
Beim Konzert im Carmen-Würth-Forum begeistert Avital Publikum und
Musikerkollegen des Württembergischen Kammerorchesters. Unter Leitung
des neuen Chefdirigenten Case Scaglione läuft das Ensemble im
Zusammenspiel zu Hochform auf. Wenn sich der Mandolinen-Virtuose nach
improvisierter Zugabe verbeugt und sein Instrument wie ein neugeborenes
Kind hochhält, wollen Applaus und Bravo-Rufe nicht enden. Solist und WKO
schenken dem Hohenloher Kultursommer ein veritables. Highlight. Anlauf
nimmt der Abend mit Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 3 G-Dur. In
schlanker Besetzung und forschem Tempo, sehr luftig und transparent
interpretiert, ist es ein erfrischender Auftakt. Zudem dramaturgisch
plausibel, denn im folgenden Konzert für Mandoline und Streicher
erklingen Bach-Reminiszenzen. Schade nur, dass die Ausführenden des
Brandenburgischen (immerhin Solopartien) im Programmheft nicht erwähnt
sind. Kleiner Nachtrag: Am Cembalo brilliert Peter Kranefoed.

Dorman, von Avital um ein Mandolinenkonzert gebeten, kannte das Instrument kaum, war jedoch
erstaunt, was herausgekitzelt werden kann, wenn ein Meister Hand
anlegt. Effektvoll inszeniert Dorman (unter anderem Filmkomponist) das
Instrument. In langem Pianissimo hebt der erste Satz an, zögerlich
erwächst das Mandolinen-Tremolo, während Streicher-Eruptionen und
entfernte Vivaldi-Echos die Klanglandschaft illustrieren. Stakkati,
kleine Rasgueado-Akkorde und kühne Läufe – jubelnd wie eine Lerche lässt
er die Streicher hinter sich. Schnell, tänzerisch und gespickt mit
nahöstlichen Motiven wie auch Verbeugungen vor Bachs Violinkonzerten ist
der zweite Satz (traditionell langsam) hier der Abräumer, um nach
wuchtigen Streicherakkorden im dritten Satz wieder zu landen. 

Herausforderung
Dormans Experimentierfreude fordert auch die Streicher heraus.
Rhythmisch vertrackt und groovig entstehen tolle Soli von Bratsche und
Cello. Ein Glissando über mehrere Saiten (erzeugt durch eine
Plexiglasröhre über einem Finger der Greifhand) erinnert an ein altes,
eierndes Grammophon. Nach der Pause folgen Zinzadses „Sechs Miniaturen
nach georgischen Volksliedern“ (darunter Stalins Lieblingslied
„Suliko“), klasse von Avital arrangiert und, wie de Fallas „Spanischer
Tanz“ aus der Oper „La vida breve“, gemeinsam mit dem WKO subtil
interpretiert.

Mit Carl Ditters von Dittersdorfs Sinfonia Nr. 1 C-Dur, „Die vier Weltalter der Antike“,
nach Ovids „Metamorphosen“ setzt das WKO einen markanten Schlusspunkt.