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Hohenloher Kultursommer 2019

Aktuelles

Vogelgezwitscher und Trauerode - von Ingrid Heydecke-Seidel, Hohenloher Zeitung, 16.7.2018

Die Klosterkirche Schöntal bot den idealen Rahmen für das Konzert mit der Sopranistin Dorothee Mields und dem Blockflöten-Virtuosen Stefan  Temmingh. Zusammen mit der Lautten Companey schenkten sie den  zahlreichen Besuchern einen musikalischen Hochgenuss nach dem anderen.  Mit seinem temperamentvollen und ideenreichen Spiel interpretierte das  Ensemble berühmte Werke der Barockzeit. In Antonio Vivaldis dreisätzigem
 "Frühling" aus den vier Jahreszeiten übernahm Temmingh mühelos den  Violinpart und wechselte von Satz zu Satz zwischen Alt-, Tenor- und  Sopranflöte.

Lebendige Artikulation

Sein quirliges Spiel, seine lebendige Artikulation, perfekte Zungen-, Lippen- und Atembeherrschung weckten Bewunderung. Das Ganze wirkte so  locker und natürlich, dass es zum Staunen war. Für Amüsement sorgte die  Bratscherin, die im zweiten Satz den Hund im Flageolett bellen ließ. Für drei Flöten, Sopran und Orchester stand eine Kantate aus Georg Friedrich Händels "Rinaldo" auf dem Programm. Mields, Temmingh und Martin Stadler betraten die Bühne. Doch wo blieb die dritte Flöte? Des Rätsels Lösung bot ein kleines Orgelpositiv. Ein kleines Manko des gedruckten Programms: Es verriet nicht den Namen des zweiten Flötisten (Martin Stadler), der auch Oboe spielte, noch den der Konzertmeisterin (Birgit Schnurpfeil). Mit ihrer schönen, klaren und überaus beweglichen Stimme harmonierte Mields wunderbar mit dem Flötisten und dem ganzen Ensemble.

Harmonische Solisten

Statt wie vorgesehen erklang Georg Philipp Telemanns  Völker-Ouvertüre, die dem Schlagzeuger die Chance gab, sein reiches  Instrumentarium vorzuführen. In "Sweet bird" von Händel harmonierten die Solisten wunderbar. Sang Mields tief, spielte die Flöte hohe Passagen  und umgekehrt. In Vor- und Zwischenspielen waren Harfe, Theorbe,  Cembalo, Cello und Violone im Zusammenwirken zu bewundern. Jean-Philippe Rameaus "Henne", ein Satz aus einer Cembalo-Suite, wurde in einer vergnüglichen Version mit Sopranflöte, Oboe und Ensemble geboten. Besonders hübsch gelangen die Imitationen, die sich Flöte und erste Geige zuwarfen.

Zum Tod seines Kanarienvogels schrieb Telemann eine mehrteilige Kantate mit Arien und Rezitativen, die Trauer, Schmerz und Wut über den  Verlust Ausdruck verliehen. Temmingh war mit verschiedenen Flöten virtuos beteiligt, Mields mit kunstvollen Koloraturen. Auch in Vivaldis Concerto "Der Stieglitz" überzeugte der Gast aus Südafrika mit seinem kunstreichen Spiel und dem herrlichen Wettstreit mit den Geigen, die mit der Bratsche im Mittelsatz schwiegen und den tiefen Instrumenten die cantable Begleitung der Diskantflöte überließen. Johann Sebastian Bachs Contrapunctus lV war ein kurzer und ernster Beitrag, der einen Kuckuck ahnen ließ. In Händels Arie aus "Acis und Galathea" erfreuten Diskantflöte und Sopran wieder mit Vogelstimmen und feinem Zusammenspiel. Mit Telemanns "Mein Vergnügen" beschenkten sie ihre begeisterten Zuhörer ein weiteres Mal.