Kulturstiftung Hohenlohe

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Aktuelles

von der Kulturstiftung

Nachhaltige Momente herbeigezaubert - von Felix Röttger, Fränkische Nachrichten, 9.7.2018

Zum 21. Musikfest auf Schloss Weikersheim strömten rund
1700 Musikliebhaber. Die Veranstaltung des Hohenloher Kultursommers
stand unter dem Motto „Ein Fest mit den Mozarts“.

Weikersheim. Das Musikfest des Hohenloher Kultursommers
auf Schloss Weikersheim, das sich im 21. Jahr seines Bestehens unter dem
Motto „Ein Fest mit den Mozarts“ nicht nur den drei Komponisten
Leopold, Wolfgang Amadé und Franz Xaver Mozart widmete, hat nichts an
Attraktivität verloren.

In die malerische Altstadt strömten rund 1700 Besucher,
deren Kulturerlebnis bereits vor den sechs Vorkonzerten und dem
abschließenden Open-Air-Konzert im sonnigen Schlosspark mit einem
attraktiven Handwerkermarkt vor der malerischen Kulisse des
Renaissance-Schlosses begann. Kulinarisch ließ es sich mit einem
Drei-Gänge-Menü unter Kastanienbäumen neben der originellen
Zwergengalerie im Park und einem Feuerwerk abrunden.

Für beste Laune sorgte das Open Air-Festkonzert der
Donau Philharmonie Wien mit prachtvoll-homogenen Stimmen im
Schlossgarten. Denn die Solisten des Festkonzerts Catalina Paz (Sopran),
Heidi Manser (Sopran), Ivan Naumovski (Bass) und Marco Di Sapia
(Bariton) fügten sich mit ihren allesamt angenehm timbrierten und schön
geführten, weit tragenden Stimmen reibungslos in das Gesprächskonzert
von Dirigent Manfred Müssauer und dem Regisseur und Sprecher Peter P.
Pachl ein. Diese gaben unter dem Motto „Figaro! - Und wie ging es
weiter?“ den Zuhörern unterhaltsam tiefere Einblicke in die Umstände der
Entstehung der beiden Welterfolge „Il barbiere di Siviglia“ von Rossini
und „Le nozze di Figaro“ von Mozart. Ein besonderes Schmankerl war die
Ouvertüre der 1782 uraufgeführten Oper „Il barbiere di Siviglia“ von
Giovanni Paisiello, die lange erfolgreich war, jedoch durch Rossinis
Vertonung aus den Repertoires der Opernbühnen weitgehend verschwand.

Von Anfang an gehörten beim Hohenloher Kultursommer
räumliches Ambiente und Musik zusammen. Diese Erkenntnis beherzigte in
diesem Jahr in besonders einfühlsamer Weise das Programm des
Musikfestes, das weit weg vom Alltaggeschehen und städtischem Gewusel an
einem lauen, nahezu windfreien Sommerabend mit der so flüchtigen
Kunstform Musik für nachhaltige Momente sorgte. Da störte es auch
keineswegs, dass – anders als wohl künftig in der im Bau befindlichen
Tauber-Philharmonie Weikersheim – die denkmalgeschützten Räumlichkeiten
nicht mit bester Akustik aufwarten konnten. Beim Festkonzert mit der
Donau Philharmonie Wien lieferten sich der Nachhall der Bläser von den
Orangerie-Fassaden einen Wettstreit mit den Echos der Streicher und
Gesangssolisten von der Schlossfassade. Da stieß selbst eine ansonsten
sehr gut ausgesteuerte Tonanlage an ihre Grenzen. Die Programmauswahl
der Vorkonzerte war nicht nur auf das Motto des Abends, sondern vor
allem auf die hohen, lichtdurchfluteten Flügel der Orangerie mit
Ausblicken in den Park, den intimen Rahmen der Schlosskapelle, den
repräsentativen Rittersaal und die mit ihren Holzvertäfelungen noch vor
den ersten Klängen gleich Wohlfühl-Atmos-phäre verbreitende evangelische
Stadtkirche ausgerichtet.

Drei Werke der Mozartfamilie Leopold, Sohn Wolfgang
Amadé und Enkel Franz Xaver stellte in einem reizvollen Vergleich das
Concilium musicum Wien (Christoph Angerer, Violine und Viola; Milan
Nikolic, Violine; Ute Groh, Violoncello; Christoph Traxler, Klavier) im
Rittersaal vor. Bei „Mozart meets Jazz“ in der Schlosskappelle bot das
Klaviertrio Schmuck (Sayaka Schmuck, Klarinette; Yumi Schmuck,
Klarinette und Bassklarinette; Til Renner, Klarinette und Bassetthorn)
nach Auszügen aus Mozarts Zauberflöte auch Kompositionen von Scott
Joplin, Paul Desmond und Irving Berlin. „Altbekanntes im neuen Gewand“
war das Motto vom „Trio NeuKlang“ (Nikolaj Abramson, Klarinette; Jan
Jachmann, Konzertakkordeon; Arthur Hornig, Violoncello), das im
rappelvollen linken Orangerieflügel mit klassischen, romantischen und
modernen Kompositionen im Tango-Stil viel Zustimmung fand. „Wege zu
Mozart“ hieß es mit dem Berliner „Ensemble l‘estro armonico“, der
Sopranistin Anna Herbst und dem Leiter und Trompeter Johann Plietzsch in
der evangelischen Stadtkirche. Eine Zugnummer im rechten
Orangerieflügel: Die Sopranistin Franziska Dannheim brachte mit der
Südkoreanerin Jeong-Min Kim am Klavier mit einer von ihr selbst
moderierten „Oper légère“ eine frische Sicht auf Mozarts Zauberflöte. Im
Gärtnerhaus begeisterten das Klaviertrio Würzburg (Katharina Cording,
Violine; Peer-Christoph Pulc, Violoncello; Karla-Maria Cording, Klavier)
und das Klavierduo Walachowski (Anna und Ines) mit Smetanas Klaviertrio
g-Moll op. 15 und zwei Sätzen aus Antonin Dvoráks Slawischen Tänzen op.
46. Ein fulminantes Feuerwerk setzte den Schlusspunkt unter ein rundum
gelungenes Musikfest.